Onlineshop oder Etsy-Shop in Österreich: Welches Gewerbe brauche ich?
Die Entscheidungstabelle
| Selbstgemachtes (Etsy-Klassiker) | Zukauf / Weiterverkauf | Dropshipping | |
|---|---|---|---|
| Gewerbe | passendes Erzeugungsgewerbe, meist frei (z. B. „Erzeugung von kunstgewerblichen Zier- und Schmuckgegenständen“, „Erzeugung von kosmetischen Artikeln“) | „Handelsgewerbe mit Ausnahme der reglementierten Handelsgewerbe“ (frei) | ebenfalls Handelsgewerbe — dass die Ware nie im eigenen Lager liegt, ändert nichts |
| Befähigungsnachweis | nein — außer reglementiert (Gold- und Silberschmiede, Bäcker, Konditor, Fleischer …) | nein | nein |
| Sonderpflichten | Lebensmittel: zusätzlich Registrierung nach §10 LMSVG + Hygiene/Kennzeichnung; Kosmetik: EU-Produktrecht beachten | Verbotszone §50 Abs 2 GewO: kein Versand von Arzneimitteln, Giften, Heilbehelfen (außer Kontaktlinsen), Waffen, Pyrotechnik an Endkunden | USt-Reihengeschäft; bei Drittland-Ware IOSS für Sendungen bis €150; Produkthaftung als Quasi-Hersteller prüfen |
| Zukauf-Mix | erlaubt als Nebenrecht (§32 GewO) — der Schwerpunkt muss die eigene Erzeugung bleiben, sonst Handelsgewerbe dazu anmelden (ebenfalls frei) | — | — |
Diese Pflichten gelten für jeden Shop
- Impressum (§5 ECG): Name/Firma, Anschrift, Kontakt inkl. E-Mail, ggf. Firmenbuchnummer, Kammerzugehörigkeit, ggf. UID — ständig, leicht und unmittelbar erreichbar. Verstoß: bis €3.000 Verwaltungsstrafe (§26 ECG).
- Entwarnung Mediengesetz: Ein Webshop gilt auch mit Produktbewertungen als „kleine Website“ — es reichen Name, Sitz und Unternehmensgegenstand; die volle Offenlegung großer Medien braucht es nicht.
- Verbraucherrecht (FAGG): Rücktrittsrecht, Button-Lösung („zahlungspflichtig bestellen“), einsehbare AGB.
- DSGVO: Datenschutzerklärung, Cookie-Einwilligung.
Verkauf ins EU-Ausland: die 10.000-Euro-Grenze
| EU-Umsatz an Private pro Jahr | Was gilt |
|---|---|
| bis €10.000 (heuer und im Vorjahr) | österreichische USt wie im Inland — nichts weiter zu tun |
| über €10.000 | Besteuerung im Bestimmungsland — praktisch über den EU-OSS: einmal via FinanzOnline registrieren, alle EU-Umsatzsteuern zentral erklären, statt sich in jedem Land einzeln zu registrieren |
Nicht verwechseln: Die €10.000 entscheiden, wohin die USt gehört — die Kleinunternehmergrenze von €55.000 entscheidet, ob du überhaupt USt verrechnest. Details zur zweiten: Kleingewerbe-Klarstellung mit den Grenzen 2026. Bei Verkäufen über Plattformen kann zudem die Plattform-Lieferfiktion greifen (§3 Abs 3a UStG) — für Drittland-Konstellationen Steuerberatung einplanen.
Was Etsy & Co dem Finanzamt melden (DAC7)
- Nur für Warenverkauf: Die Bagatellgrenze knüpft ausdrücklich an den „Verkauf von Waren“ an (§3 Abs 1 Z 3 DPMG). Wer über eine Plattform Dienstleistungen anbietet, hat keine solche Untergrenze — dort wird ab dem ersten Euro gemeldet.
- Freigestellt bleibt nur, wer im Kalenderjahr unter 30 Verkäufen UND höchstens €2.000 Vergütung bleibt (§5 DPMG) — pro Plattform.
- Gemeldet wird also schon, wer eine der beiden Grenzen reißt: ab dem 30. Verkauf oder ab €2.000,01. Meldefrist der Plattform: 31. Jänner des Folgejahres.
- Meldung ist keine Steuerpflicht: Ob deine Verkäufe gewerblich und steuerpflichtig sind, entscheidet sich unabhängig — die Abgrenzung privat vs. gewerblich steht auf Vinted, willhaben & Flohmarkt.
Häufige Fragen
Muss man für einen Online-Shop einen Gewerbeschein besitzen — oder geht das nebenbei ohne?
Ja, ein Gewerbeschein ist nötig: Sobald du selbständig, regelmäßig und mit Ertragsabsicht verkaufst, brauchst du eine Gewerbeanmeldung — auch nebenbei zum Job. Die gute Nachricht: Das Handelsgewerbe ist frei, die Anmeldung kostenlos und ohne Prüfung.
Welches Gewerbe brauche ich für Etsy in Österreich?
Für zugekaufte Ware das freie Handelsgewerbe. Für Selbstgemachtes das passende freie Erzeugungsgewerbe — etwa die Erzeugung von kunstgewerblichen Zier- und Schmuckgegenständen für den klassischen Etsy-Fall. Zubehör-Zukauf ist als Nebenrecht erlaubt, solange die eigene Erzeugung der Schwerpunkt bleibt.
Darf ich selbstgemachte Marmelade oder Kekse online verkaufen?
Grundsätzlich ja — aber mit zwei getrennten Meldungen: der Gewerbeanmeldung (freies Nahrungs- und Genussmittelgewerbe; Bäcker, Konditor oder Fleischer sind dagegen reglementiert) und der Registrierung als Lebensmittelunternehmer beim Landeshauptmann nach §10 LMSVG. Dazu kommen Hygiene- und Kennzeichnungspflichten.
Meldet Etsy meine Verkäufe dem Finanzamt?
Ja, ab 30 Verkäufen ODER mehr als 2.000 € Einnahmen pro Jahr und Plattform (DAC7/DPMG) — freigestellt bleibt nur, wer unter beiden Grenzen bleibt. Die Meldung selbst ist keine Steuerpflicht: Ob du Steuern zahlst, entscheidet sich unabhängig davon.
Ab wann muss ich Umsatzsteuer verrechnen?
Zwei getrennte Grenzen: Die Kleinunternehmergrenze (€55.000 brutto pro Jahr) entscheidet, OB du überhaupt USt verrechnest. Die EU-Lieferschwelle (€10.000 pro Jahr für Verkäufe an Private in andere EU-Länder) entscheidet, WOHIN die USt gehört — darüber versteuerst du im Bestimmungsland, praktisch per EU-OSS über FinanzOnline.
Was darf ich gar nicht online verkaufen?
Der Versandhandel an Letztverbraucher ist für Arzneimittel, Gifte, Heilbehelfe (außer Kontaktlinsen), Waffen, Munition und pyrotechnische Artikel verboten (§50 Abs 2 GewO) — ausdrücklich auch für Waren aus eigener Erzeugung. Tabak ist über das Monopol gesondert geregelt.
Quellen
- WKO — Gewerberecht und Internet (Handelsgewerbe als Standard, Ausnahmen)
- BMWET — Bundeseinheitliche Liste der freien Gewerbe (PDF) (Gewerbewortlaute)
- RIS: §5 GewO · §32 GewO · §50 GewO · §5 ECG · §10 LMSVG · §5 DPMG
- WKO — Innergemeinschaftlicher Versandhandel (10.000-€-Grenze, EU-OSS)
- USP — Rechtliche Pflichten für Online-Shops (FAGG, AGB, DSGVO)
- WKO — Das korrekte Website-Impressum
Gilt für Österreich — in Deutschland gelten andere Regeln (Gewerbeanzeige nach deutschem Recht, andere USt-Grenzen); deutsche Shop-Ratgeber sind hier nicht anwendbar.