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Was kostet die Gewerbeanmeldung in Österreich wirklich?

BMWET + WKO   Geprüft: April 2026
Kurze Antwort: Die Anmeldung ist kostenlos. Seit der GewO-Novelle fallen keine Gebühren, Stempel oder Verwaltungsabgaben an. Auch die Prüfungsgebühren werden seit 2023 vom Bund übernommen.

Kostenübersicht

PostenKostenQuelle
Gewerbeanmeldung€0BMWET Verifiziert
Meister-/Befähigungsprüfung (Erst+Zweitantritt)€0 (seit 01.07.2023)WKO Verifiziert
Raummiete bei der Prüfung (Einrichtungskosten)€0 (Erst+Zweitantritt)WKO Verifiziert
Ab dem dritten AntrittGebühr fällt wieder anWKO (Befreiung gilt Erst+Zweitantritt)
Vorbereitungskurs (WIFI)€500-2.500 je nach GewerbeWIFI Landesstellen
SVS-Beitrag (Sozialversicherung, Mindestbeitrag)€482,43/Quartal — €1.929,72/JahrWKO 2026 Verifiziert
WKO-Grundumlage~€70-300/Jahr je FachgruppeWKO
Haftpflichtversicherung (wenn Pflicht)Ab ~€200/JahrMarktpreise
Die versteckten Kosten — hier liegt der eigentliche Betrag Die Anmeldung selbst kostet nichts. Was sofort beginnt, ist die Sozialversicherung: der SVS-Mindestbeitrag liegt 2026 bei €482,43 im Quartal, also €1.929,72 im Jahr — und zwar unabhängig davon, ob du in diesem Quartal etwas verdient hast. Dazu die WKO-Grundumlage. Für das erste Jahr sind damit rund €2.000 fixe Kosten realistisch, bevor ein einziger Euro Gewinn entsteht.

Woraus sich der SVS-Mindestbeitrag zusammensetzt

Der Beitrag wird auf die Mindestbeitragsgrundlage von €551,10 im Monat gerechnet. Wer mehr verdient, zahlt mehr; darunter geht es nicht.

ZweigSatzpro Monatpro Quartal
Pensionsversicherung18,50 %€101,95€305,85
Krankenversicherung6,80 %€37,48€112,44
Selbständigenvorsorge1,53 %€8,43€25,29
UnfallversicherungFixbetrag€12,95€38,85
Summe€160,81€482,43

In den ersten drei Kalenderjahren wird vorläufig von dieser Mindestgrundlage gerechnet und später nachbemessen — eine Nachzahlung ist also einzuplanen, wenn du mehr verdienst als die Mindestgrundlage. Quelle: WKO, Beitragswesen Selbständige 2026.

Die Nachzahlungsfalle: So funktioniert die Nachbemessung

Die SVS rechnet mit einem System der permanenten Nachbemessung: Zuerst zahlst du vorläufige Beiträge, endgültig abgerechnet wird erst, wenn dein Einkommensteuerbescheid vorliegt. Genau daraus entsteht die berüchtigte Nachzahlung im dritten und vierten Jahr:

ZeitpunktWas passiert
Jahr 1–3Vorläufige Beiträge von der Mindestbeitragsgrundlage (fehlende Vergleichsjahre) — bewusst niedrig angesetzt
Bescheid liegt vorDie SVS ersetzt die vorläufige Grundlage durch deine echten Einkünfte (plus die vorgeschriebenen PV/KV-Beiträge) und rechnet nach — Gutschrift oder Nachbelastung
Nachbelastungwird nicht auf einmal fällig, sondern in vier Quartalsteilbeträgen ab dem Folgejahr vorgeschrieben
Ab Jahr 4Die vorläufigen Beiträge richten sich nach dem drittvorangegangenen Jahr — das System pendelt sich ein
Neuzugänger-Begünstigung — der wichtigste Puffer Wer erstmals GSVG-versichert ist, zahlt in den ersten zwei Kalenderjahren einen fixen Krankenversicherungsbeitrag von €37,48 im Monat, der nicht nachbelastet wird — egal wie gut das Geschäft läuft. Nachbelastet wird in dieser Zeit nur die Pensionsversicherung, und diese Nachzahlungen dürfen auf bis zu 12 Quartalsteilbeträge (drei Jahre) verteilt werden.

Quellen: SVS — endgültige Berechnung ab dem vierten Jahr, SVS — Herabsetzen der Beitragsgrundlage, WKO — Beiträge für Neuzugänger.

Warum die SVS mehr will als 26,83 Prozent deines Gewinns

Die Faustregel „26 Prozent vom Gewinn“, die im Netz kursiert, ist zu niedrig — und der Grund steht in einem Halbsatz, den kaum jemand erklärt. Die SVS rechnet nicht vom Gewinn, sondern vom Gewinn plus den Beiträgen, die dir im selben Jahr vorgeschrieben wurden:

§ 25 Abs 2 Z 2 GSVG Beitragsgrundlage ist der Gewinn „zuzüglich der vom Versicherungsträger im Beitragsjahr … vorgeschriebenen Beiträge zur Kranken-, Arbeitslosen- und Pensionsversicherung“ (RIS). Warum? Weil diese Beiträge Betriebsausgaben sind und den Gewinn im Steuerbescheid bereits gesenkt haben. Die SVS rechnet sie wieder dazu — die Beitragsgrundlage liegt damit immer über dem Gewinn, und die tatsächliche Belastung über dem Beitragssatz.
Gewinn laut BescheidSVS-Beitrag im JahrEffektiv vom Gewinn
15.000 €rund 4.630 €rund 31 Prozent
30.000 €rund 8.650 €rund 29 Prozent
50.000 €rund 14.020 €rund 28 Prozent

Gerundete Beispielrechnung mit den Werten 2026, Beitragssatz 26,83 Prozent auf die um die Hinzurechnung erhöhte Grundlage. Nach oben flacht es wieder ab: Ab der Höchstbeitragsgrundlage von 8.085 € im Monat ist der Beitrag gedeckelt, jeder weitere Euro Gewinn ist SVS-frei. Die Einkommensteuer kommt in allen Zeilen noch obendrauf.

Warum der Schock im dritten und vierten Jahr kommt

Nicht weil die SVS teurer wird, sondern weil ab dann zwei Dinge gleichzeitig laufen: die nachträgliche Abrechnung eines alten Jahres und die endlich realistisch hohe laufende Vorschreibung.

  Jahr 1Jahr 2 Jahr 3Jahr 4
Laufende Vorschreibung MindestbeitragMindestbeitragMindestbeitrag Sprung — Grundlage ist jetzt dein echtes Einkommen aus Jahr 1
Krankenversicherung fixer Neuzugangsbetrag, wird nie nachbemessen fixer Neuzugangsbetrag Deckel fällt weg, ab jetzt wird auch die KV nachbemessen normal
Was zusätzlich hereinkommt Nachbemessung für Jahr 1 (nur Pension) Nachbemessung für Jahr 2 (Pension und Kranken) plus die höhere laufende Vorschreibung

Die Beträge sind dabei jeder für sich korrekt — sie treffen nur niemanden gleichzeitig, der es vorher gewusst hat.

Die Frist, die kaum jemand kennt: 31. März Die Nachzahlung lässt sich auf zwölf statt vier Teilbeträge strecken — aber nur auf Antrag, nur für die Nachbemessung der ersten drei Pflichtversicherungsjahre, und nur bis zum 31. März des Jahres, das auf die Feststellung folgt (§ 35 Abs 3 GSVG). Und der Haken, der beim Aufhören teuer wird: Endet die Pflichtversicherung — etwa weil du das Gewerbe zurücklegst —, sind die gestundeten Beiträge mit Ablauf des Monats fällig, der auf das Ende folgt. Die Ratenwirkung ist dann weg.

Geld zurück, wenn du 2023 noch bezahlt hast

Das ist der Punkt, an dem die meisten Übersichten aufhören — dabei betrifft er bares Geld. Die gesetzliche Grundlage für die Gebührenbefreiung gilt ab 01.01.2024, rückwirkend zum 01.07.2023. Wer in diesem Zwischenraum angetreten ist, hat also bezahlt, obwohl er es rückblickend nicht musste.

Antritt zwischen 01.07.2023 und 31.12.2023? Dann kannst du die bezahlte Prüfungsgebühr zurückfordern — auf Antrag bei der Meisterprüfungsstelle deiner Landeskammer, möglich seit 01.02.2024. Es gilt für Erst- und Zweitantritte, und es passiert nicht automatisch: ohne Antrag bleibt das Geld weg.

Ein Detail, das ebenfalls selten genannt wird: Auch die Raummiete (Einrichtungskosten) bei der Prüfung tragen Kandidatinnen und Kandidaten beim Erst- und Zweitantritt nicht mehr selbst.

Die Befreiung gilt einheitlich für Meisterprüfung (Handwerke), Befähigungsprüfung (alle übrigen reglementierten Gewerbe) und die Unternehmerprüfung — es gibt kein abweichendes Startdatum für die Meisterprüfung. Rechtsgrundlage: BGBl. I Nr. 152/2023.

Wer zahlt was?

SituationAnmeldungPrüfungKurs
Freies Gewerbe€0Keine nötigKeine nötig
Reglementiert (mit Lehre)€0€0 (Module entfallen)Optional
Reglementiert (ohne Lehre)€0€0 (Bund zahlt)€500-2.500
Individuelle Befähigung€0Keine PrüfungKeine

Quellen

Weiterführende Artikel

Gewerbeanmeldung Schritt für SchrittAblauf, Dokumente, GISA BefähigungsnachweisMeisterprüfung, Alternativen Individuelle BefähigungOhne Prüfung zum Gewerbe Gewerberechtlicher GFOhne Qualifikation gründen

Häufige Fragen

Wie viel kostet die Gewerbeanmeldung in Österreich?

Die Gewerbeanmeldung ist kostenlos. Es fallen keine Gebühren, Stempel oder Verwaltungsabgaben an.

Sind Meister- und Befähigungsprüfungen kostenlos?

Ja, für den Erst- und Zweitantritt. Der Bund übernimmt die Prüfungsgebühren für Meisterprüfung, Befähigungsprüfung und Unternehmerprüfung. Die gesetzliche Grundlage gilt ab 01.01.2024, rückwirkend zum 01.07.2023. Nur optionale Vorbereitungskurse kosten extra.

Ich habe 2023 noch Prüfungsgebühren bezahlt — bekomme ich das Geld zurück?

Ja, wenn der Antritt zwischen 01.07.2023 und 31.12.2023 lag und es ein Erst- oder Zweitantritt war. Die Rückerstattung läuft auf Antrag über die Meisterprüfungsstelle deiner Landeskammer und ist seit 01.02.2024 möglich. Sie passiert nicht automatisch — du musst sie beantragen.

Gilt die Gebührenbefreiung auch beim dritten Antritt?

Nein. Die Übernahme durch den Bund gilt ausdrücklich für den Erst- und den Zweitantritt. Ab dem dritten Antritt fallen die Prüfungsgebühren wieder an.

Prüfungsgebühren und Rückerstattung an der Primärquelle geprüft: Juli 2026. SVS- und WKO-Beiträge sind Richtwerte und können sich ändern; die Grundumlage legt jede Fachgruppe selbst fest. Keine Rechts- oder Steuerberatung.